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Trauerarbeit


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Sich nicht verschließen

Trauerarbeit ist individuell / Angebote und Hilfen

Trauer ist ein intensives Gefühl, das immer dann auftritt, wenn ein Mensch etwas Wichtiges verloren hat. Das kann sowohl ein Familienmitglied oder Freund als auch ein Haustier oder ein Job sein. Auch Scheidungen können Trauer hervorrufen. Jeder Mensch erlebt diesen Prozess teilweise überwältigender Gefühle anders. Gerlinde Dingerkus, Leiterin der Ansprechstelle im Land NRW zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung (Alpha), weiß: „Trauer ist ein schmerzlicher Prozess. Oft hört man von ,Trauerbewältigung‘. Dieser Begriff ist irreführend, denn die auftretenden Emotionen müssen nicht bewältigt sondern vielmehr gespürt und gelebt werden.“ Und so ist es völlig normal, dass sich alles erst einmal anders anfühlt – schließlich fehlt jemand, der ein wichtiger Teil des eigenen Lebens war. Der Betroffene steht vor der Herausforderung, den Verlust zu verarbeiten und sich der neuen Situation anzupassen. Diese Aufgabe ist manchmal leichter, oft aber sehr schwierig. Das hängt nicht zuletzt mit dem auslösenden Ereignis zusammen. „Wenn sich ein Verlust wie etwa der Tod eines geliebten Menschen ankündigt, ist der anfängliche Schock nicht ganz so groß“, erklärt Dingerkus. „Das kann entweder durch Alter oder eine Krankheit absehbar sein.“

Eine andere Qualität habe allerdings der plötzliche Tod eines Menschen für die Angehörigen. Dingerkus: „Völlig unvorbereitet zum Beispiel mit dem Unfalltod oder Suizid eines Mitmenschen konfrontiert zu werden, wirft oft auch Fragen nach dem Warum auf und ein Freitod kann bei den Angehörigen zusätzlich noch zu Schuldgefühlen führen – ein ganzer Wust aus Emotionen also, der verdaut werden muss.“ Wie die Intensität der Trauergefühle so unterscheidet sich der Ablauf der Verarbeitung von Mensch zu Mensch. Nach der akuten Schockphase muss der Betroffene den Verlust realisieren und als unwiderruflich akzeptieren. Erst dann kann Trauer erlebt und gelindert werden.

Dingerkus:„Im Verlaufe des Trauerprozesses treten beispielsweise Gefühle wie Wut, Traurigkeit, Ablehnung und Akzeptanz auf, die oft als ‚Phasen’ betitelt werden. Das hört sich an, als verlaufe ein Trauerprozess chronologisch und am Ende wäre man fertig. Es ist jedoch vielmehr so, dass es zu einem Springen zwischen diesen Gefühlen kommt.“ Wie gut ein Mensch mit einem Verlust umgehen kann, hängt nicht zuletzt von den Umweltfaktoren ab. Wer Schuldgefühle entwickelt oder häufige Verluste in kurzer Zeit erleben musste, hat es oft schwerer, mit dem Wirrwarr an Gefühlen klarzukommen. „Ein starkes soziales Netz mit guten und tragfähigen Beziehungen zu Familienmitgliedern oder Freunden hingegen ist äußerst hilfreich. Über die eigene Trauer zu sprechen und nicht allein damit zu bleiben, macht es Betroffenen meist leichter, den Prozess zu durchlaufen“, berichtet Dingerkus. In Münster gibt es verschiedene Angebote wie Trauercafés und Gruppen und Einzelberatungen für Trauernde.
(jer)

Weitere Informationen unter www.muenster.org/trauernetz