In der dunklen Jahreszeit trotz Trauer nicht verzweifeln

Quelle: colourbox.de

In der zweiten Jahreshälfte werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Mit der früher einkehrenden Dunkelheit und dem allgemein trüberen Wetter wird bei einigen Menschen die Trauer über den Verlust eines vor kurzem verstorbenen Menschen meist noch verstärkt und droht einige sogar innerlich zu erdrücken.

 

 

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Mit Verlust und Trauer umgehen

Verlust und Trauer, zwei Dinge, die praktisch jeder Mensch im Laufe seines Leben erfährt. Je nach Zeitpunkt, Umstand sowie der Persönlichkeit des Menschen geht der Betroffene unterschiedlich mit dem Verlust und der daraus resultierenden Trauer um. Einige Menschen ziehen sich zurück und verarbeiten so den Verlust, andere suchen nach einem Weg, sich abzulenken.

 

Unabhängig davon, wie man mit seiner Trauer umgeht, ist es wichtig, dass ein Heilungsprozess initiiert wird. Einer US-amerikanischen Studie zufolge, die im American Journal of Psychiatry publiziert wurde, kann Trauer PTBS verursachen. PTBS ist die Abkürzung für posttraumatic stress disorder (posttraumatische Belastungsstörungen). Das Symptom trifft insbesondere dann auf, wenn eine Person überraschend verstirbt.

Grundsätzlich sind alle Altersgruppen einem erhöhten Risiko, an PTBS zu erkranken, ausgesetzt. Ab einem bestimmten Alter steigt jedoch das Risiko: Bei über 30-Jährigen um 50 Prozent. Die Gruppe der 50- bis 70-Jährigen ist einem fünfmal höheren Risiko ausgesetzt.

Die Ergebnisse der Studie sind überraschend, schließlich werden die meisten psychischen Erkrankungen in den jungen Jahren ausgelöst. Dennoch verdeutlicht die Studie, wie wichtig es ist, mit Trauer richtig umzugehen.

Akzeptanz als Schlüssel zur Trauerbewältigung

Seit 1977 gibt es diverse Personen, die das eher unangetastete Gebiet der Trauer erforschen. Dazu gehören unter anderem Carey, Stroebe, Zautra, Reich sowie Guarnaccia, die unterschiedliche Forschungen anstellten. Dennoch ist die sparsame Behandlung dieses Themas leicht erschreckend, schließlich gibt es den Tod, den Verlust eines Menschen und die daraus resultierende Trauer seit der Geburt der Menschheit. Dennoch scheinen sich nur wenige Menschen mit der Bewältigung von Trauer zu befassen.

Sebastian Remmers hat in seiner Dissertation zur Verleihung des akademischen Grades Doktor der Philosophie eine Studie zu diesem Thema erstellt („Wie der Verlust des Ehepartners bewältigt wird: Eine Längsschnittstudie zur Erfassung des Trauerverlaufs innerhalb des ersten Jahres nach Todesereignis“). Genauer gesagt geht es um den Verlust des Ehepartners. Mithilfe verschiedener Grundlagen, unter anderem der Set-Point-Theroie des Glücks sowie den Stressmodellen von Lazarus, kommt er zu der Erkenntnis, dass die Akzeptanz ein wichtiger Faktor zur Bewältigung der Trauer darstellt. Der Grund: Indem trauernde Menschen ihre Aufmerksamkeit auf ihre Gefühle und deren Ausdruck fokussieren, wächst die Trauerreaktion.

Interessant ist die Tatsache, dass Optimisten leichter über einen Verlust wegkommen. Das verdanken sie in erster Linie ihrer Akzeptanz, die bei Pessimisten seltener zu beobachten ist. Bei Frauen kommt ein weiterer Belastungsfaktor hinzu, nämlich der Verlust bisheriger Finanzmittel, insbesondere, wenn der Ehemann nicht über eine Lebensversicherung verfügte.

Die drei Stadien der Trauer

Das Psychologische Institut der Universität Zürich hat eine Studie zum Umgang mit Verlust und Trauer erstellt. Darin erklären die Forscher, dass in der Trauerforschung zwischen normalen, komplizierten und anhaltenden Trauerreaktionen zu unterscheiden ist.

  1. Normale Trauer: Der Verlust einer Person ist schmerzhaft, der Betroffene kann aber nach geraumer Zeit sein Leben aufnehmen. Hierbei handelt es sich um die klassische, häufigste Äußerung von Trauer. Sie kann durchaus zu tiefen Trauerphasen führen, die wiederum die körperliche und seelische Gesundheit negativ beeinflussen.
  2. Komplizierte Trauer: Diese Gruppe hat große Schwierigkeiten damit, den Tod einer Person zu akzeptieren. Sie sind über den Tod schockiert und fühlen sich hilflos. Einige von ihnen haben Schwierigkeiten, an schöne Momente mit dem Verstorbenen zu erinnern. In einigen Fällen kann sich die komplizierte Trauer in Wut oder Verbitterung entwickeln.
  3. Anhaltende Trauer: Für Betroffene ist der Verlust einer Person so schmerzhaft, dass sie selbst Jahre danach nicht darüber hinwegkommen. Die Trauer beeinflusst ihren Alltag stark, sodass sie ihn nicht mehr zu ihrer Zufriedenheit bewältigen können.

Trauerbewältigung: Sich an die schönen Momente erinnern

Wenn es der Trauernde geschafft hat, der Situation mit Akzeptanz gegenüberzutreten, ist der erste große Schritt zur Trauerbewältigung getan. Nun muss er noch über den Schmerz und den Verlust hinwegkommen. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden, mit der Situation umzugehen.

Eine Möglichkeit ist es, sich an den Verstorbenen auf positive Weise zu erinnern. Betroffene vergessen (kurzzeitig) die schönen Momente ihres Lebens. Dennoch sollte man versuchen, sich genau an diese zu erinnern.

Zur Konfrontation mit der Trauer können alte Gegenstände des Verstorbenen als Selbsthilfe dienen: Ein T-Shirt, das Lieblingshandtuch, ein Foto. Einigen hilft es auch, durch intensive Grabpflege die innere Verbundenheit mit dem Verstorbenen aufrechtzuerhalten. Sie wollen es dem geliebten Menschen auch nach seinem Tod schön machen und können so nach einiger Zeit wieder positiver in die Zukunft sehen. Dabei ist es vor allem in der dunklen Jahreszeit wichtig, aufmunternde Farben und Figuren wie diese für den Grabschmuck zu wählen. War der Verstorbene ein aufgeschlossener und fröhlicher Mensch, darf sich diese Eigenschaft das ruhig im Grabschmuck widerspiegeln. Ein farbenfroher Blumenstrauß passt dann besser auf die letzte Ruhestätte als ein dunkler Trauerkranz. Durch die Überlegungen, was dem geliebten Menschen am besten gefallen würde, lernen einige Trauernde, mit dem Schmerz besser umzugehen und haben oft das Gefühl, auf einer höheren Ebene mit dem Verstorbenen verbunden zu sein.

Jeder Mensch registriert Trauer unterschiedlich

George Bonanno, ein US-amerikanischer Psychologe, hat im Bereich Trauer und Verlusterlebnisse geforscht und festgestellt, dass jeder Mensch unterschiedlich lang von Trauer beeinträchtigt wird.

Seine Studienteilnehmer hat er in vier Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: Menschen, die mit Verlust gut klarkommen. Nach einer kurzen Belastungsphase kehren sie zum Alltag zurück.
  • Gruppe 2: Diese Menschen reagieren anfangs mit deutlicher Trauer. Ihr Alltag wird mittelstark beeinträchtigt. Depressive Symptome, ruheloser Schlaf sowie Kummer können ihre körperliche Gesundheit beeinflussen.
  • Gruppe 3: In diese Kategorie fallen Menschen, die eine verzögerte Belastungsreaktion aufweisen. Nach dem Verlust gibt es keine nennenswerte Trauer. Sie baut sich jedoch über einen längeren Zeitraum auf.
  • Gruppe 4: Menschen der vierten Gruppe leiden unter einer chronischen Belastung, die über Jahre hinweg andauert. Ihre Funktionsfähigkeit ist stark und dauerhaft eingeschränkt. Weniger als 15 Prozent aller Trauernden können dieser Gruppe zugeordnet werden.

Das Leben geht weiter

Unabhängig davon, welchem Trauertyp eine Person entspricht, muss sie versuchen, ihr Leben fortzuführen. Falls sie ihre Trauer nicht alleine überwinden kann, ist es ratsam, professionelle Hilfe anzufordern. Trauernde sollten auch nicht Freunde oder Familienmitglieder ausschließen. Sie haben mit Sicherheit ähnliche Erfahrungen gemacht und wissen, wie schwer es ist, eine geliebte Person zu verlieren. Folglich können sie einem trauernden Menschen gut zur Seite stehen.